Beschaffung

Im Geschäftsjahr 2010 hielten die außerordentlichen Preisschwankungen an den Beschaffungsmärkten an. Der Preisauftrieb bei den petrochemischen Derivaten setzte sich weiter fort und erreichte andere Rohstoffmärkte wie oleochemische Produkte, Papier und Metalle. Deren Preise stiegen ebenfalls an. Diese Preisentwicklung wurde durch Engpässe auf den Rohstoffmärkten noch verstärkt, die sich aufgrund niedriger Lagerbestände und gleichzeitig unvorhergesehener Nachfrageanstiege ergaben. Störungen in der Beschaffungskette, die durch aufgeschobene Instandhaltungsmaßnahmen und unvorhergesehene Ausfälle von Produktionsanlagen verursacht wurden, verschärften die Situation zusätzlich. Diese Entwicklungen führten bei den Vorrohstoffen zu Preisniveaus, die im Gesamtjahresdurchschnitt deutlich über dem Wert des Vorjahres lagen. Diese Preise wirkten sich mit Zeitverzug wiederum negativ auf die Kosten der von Henkel eingekauften Rohstoffe und Verpackungen aus.

  • Kreisdiagramm: Materialaufwand nach Unternehmensbereichen
  • Kreisdiagramm: Materialaufwand nach Materialart

Unser Aufwand für direkte Materialien (Rohstoffe, Verpackungen, bezogene Waren und Leistungen) betrug im Berichtsjahr 6,7 Mrd. Euro und erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Mrd. Euro. Dies ist zum Großteil auf erhöhte Produktionsvolumina, gestiegene Preise für Rohstoffe sowie auf Wechselkurseffekte zurückzuführen. Die gestiegenen Preise für Rohstoffe konnten durch unsere globalen Beschaffungsstrategien zwar abgemildert, aber nicht kompensiert werden.

Neben der fortlaufenden Verhandlung neuer, wettbewerbsfähiger Vertragskonditionen ist unser Programm zur Reduzierung der Gesamtbeschaffungskosten ein wesentlicher Erfolgsfaktor unserer Einkaufsstrategie. Dabei arbeiten wir gemeinsam mit den drei Unternehmensbereichen kontinuierlich an der Reduktion der Produktkomplexität, der Optimierung des Rohstoffmix sowie an der weiteren Standardisierung von Verpackungen und Rohstoffen. Damit schaffen wir einerseits stärkere Verhandlungspositionen und Spielraum für die weitere Konsolidierung der Lieferantenbasis, andererseits aber auch für unsere strategischen Hauptlieferanten die Voraussetzung für ein Umsatzwachstum über alle Unternehmensbereiche hinweg. Im Verlauf der letzten beiden Jahre hat Henkel die Zahl der Lieferanten um 25 Prozent reduziert. Für den Aufbau langfristiger Geschäftsbeziehungen wählen wir Lieferanten aus, bei denen wir großes Potenzial sehen bezüglich Innovation, Optimierung von Herstellungskosten und Logistikprozessen sowie Risikomanagement zur Vermeidung von Lieferengpässen. Dies begleiten wir durch individuelle Zielvereinbarungen.

Um die Effizienz zu verbessern und die Materialversorgung sicherzustellen, optimieren wir fortlaufend die Wertschöpfungskette bei gleichzeitiger Erhaltung eines exzellenten Qualitätsniveaus. Diese Aktivitäten begleiten wir, indem wir unsere Beschaffungsprozesse verstärkt konsolidieren, zentralisieren und automatisieren.

Die Standardisierung und zentrale Steuerung der Zahlungskonditionen über alle Regionen und Geschäftsbereiche hinweg trägt zudem dauerhaft zur Verbesserung des Netto-Umlaufvermögens bei.

Im Umfeld anhaltend hoher Preisschwankungen und Versorgungsengpässe an den Beschaffungsmärkten ist ein proaktives Risikomanagement ein wichtiger Bestandteil unserer Einkaufsstrategie. Hier steht die Verringerung von Preis- und Lieferrisiken bei gleichbleibend hoher Qualität im Vordergrund. Dabei setzen wir im Rahmen eines aktiven Preismanagements Strategien zur längerfristigen Preisabsicherung sowohl über Verträge als auch – wo sinnvoll und möglich – über finanzielle Sicherungsinstrumente ein. Um die Lieferantenausfallrisiken zu minimieren, nutzen wir Lieferausfallklauseln sowie eine grundsätzliche Risikobewertung der Lieferanten im Hinblick auf ihre finanzielle Stabilität. Wichtige, aber finanziell kritisch eingeschätzte Lieferanten unterwerfen wir einer kontinuierlichen Überwachung durch einen externen unabhängigen Finanzdienstleister. Wird bei einem Lieferanten ein hohes Ausfallrisiko identifiziert, erstellen wir systematisch Notfallpläne, um eine durchgehende Versorgung sicherzustellen.

Unsere fünf wichtigsten Rohstoffgruppen sind waschaktive Substanzen (Tenside), Rohstoffe für Polyurethan-basierte Klebstoffe, Rohstoffe für wässrige Klebsysteme, Rohstoffe zur Verwendung in Schmelzklebstoffen sowie anorganische Rohstoffe, unter anderem zum Einsatz in Waschmitteln und Oberflächen-Vorbehandlungsprodukten. Diese machen etwa 31 Prozent des Aufwands für direkte Materialien aus. Unsere fünf größten Zulieferer repräsentieren etwa 13 Prozent des Materialaufwands.

Aufgrund der deutlich verbesserten Geschäftsentwicklung erhöhte sich im Berichtsjahr auch die Nachfrage nach indirekten Materialien und Dienstleistungen sowie nach Logistikleistungen. Gleichzeitig konnten wir die Beschaffungspreise im Vergleich zum Vorjahr durch Einsparungsmaßnahmen reduzieren, die wir regional und global in allen Kategorien im Rahmen von Beschaffungsstrategien für das Gesamtunternehmen erzielt haben. Die Ausgaben stiegen in Summe um 0,5 Mrd. Euro auf 3,9 Mrd. Euro an.