Geschäftsverlauf

Weltwirtschaft

Überblick: Kräftige Erholung nach schwerer Rezession

Die Weltwirtschaft hat sich 2010 von der schweren Rezession schneller und kräftiger erholt als zunächst erwartet. Weltweit verzeichnete das Bruttoinlandsprodukt ein starkes Wachstum von 4 Prozent. Während die Wachstumsregionen einen Anstieg von etwa 7 Prozent erzielten, übertrafen die Industrieländer das Vorjahresniveau um etwa 2,5 Prozent. Die Wirtschaftsleistung hat damit das Vorkrisenniveau bereits wieder erreicht und teilweise sogar überschritten. Ein wesentlicher Wachstumstreiber war die sehr expansive Geld- und Fiskalpolitik der einzelnen Staaten. Die Zinsen erreichten historische Tiefststände und auch die Finanzpakete zur Stabilisierung und Stimulierung der Wirtschaft haben ihre Aufgabe erfüllt: Sie führten zu steigender Nachfrage. Zudem hat sich das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft überraschend schnell erholt.

Verlauf im Jahr 2010: Stärkeres erstes Halbjahr

Gegenläufig zu der wirtschaftlichen Entwicklung des Jahres 2009, die durch einen stärkeren Rückgang in der ersten Jahreshälfte gekennzeichnet war, verlief die Erholung im Jahr 2010: Zwar reduzierte sich die hohe Wachstumsrate des ersten Halbjahres 2010 im zweiten Halbjahr, jedoch nahm die Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, merklich zu.

Industrie und Konsum: Industrie legte zweistellig zu

Die Industrie partizipierte mit einem Plus von mehr als 10 Prozent erheblich stärker an der Konjunkturbelebung als der private Konsum, der um gut 2,5 Prozent zunahm. Besonders die exportabhängigen Industrien im Bereich Vorleistungen und Investitionsgüter verzeichneten kräftige Zuwächse. Diese Zweiteilung in eine lebhafte Industrie- und eine gedämpfte Konsumkonjunktur entspricht spiegelbildlich der Entwicklung im vorherigen Abschwung, als die Industrie stark rückläufig war und der Konsum vergleichsweise stabil blieb.

Regionen: Reife Märkte verhalten, Wachstumsregionen dynamisch

In Westeuropa war die Aufwärtsbewegung mit einem Anstieg des Bruttosozialprodukts von etwa 2 Prozent vergleichsweise verhalten. Deutschland nahm eine Sonderrolle ein und verzeichnete mit mehr als 3,5 Prozent ein hohes Wachstum. Die verbesserte Preiswettbewerbsfähigkeit regte die deutschen Exporte an und der robuste Arbeitsmarkt stimulierte die Inlandsnachfrage. Die Wirtschaft in den USA hat sich mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von gut 2,5 Prozent zwar erholt, aber hohe Arbeitslosenzahlen, ein beträchtliches Staatsdefizit sowie die Furcht vor einer neuen Rezession haben eine stärkere Dynamik verhindert. Die Wirtschaftsleistung in Japan nahm mit über 4 Prozent kräftig zu, vor allem dank der sehr dynamischen Industrieentwicklung. Die Wachstumsregionen Asien (ohne Japan), Lateinamerika und Afrika/Nahost verzeichneten ein kräftiges, zum Teil zweistelliges Wirtschaftswachstum. Dies gilt im Besonderen für China, Indien und Brasilien. Während Indien und Brasilien vor allem dank einer robusten Binnenkonjunktur wuchsen, verzeichnete China sowohl ein starkes Wachstum der Exporte als auch der Inlandsnachfrage. Osteuropa fiel demgegenüber etwas zurück. Dabei gehörte Russland, das auch von steigenden Rohstoffpreisen profitierte, mit einem Plus von rund 3,5 Prozent zu den dynamischeren Volkswirtschaften innerhalb der Region.

Rohstoffpreise: Starker Anstieg und teilweise Lieferengpässe

Die wirtschaftliche Erholung führte auch zu einer vermehrten Nachfrage nach Rohstoffen. Teilweise war die Nachfrage so hoch, dass es zu Lieferengpässen kam. So sind die Preise von wichtigen Rohstoffen wie Rohöl, Ethylen, Propylen, Palmkernöl, Metallen und Papier im Lauf des Jahres weiter gestiegen. Im Jahresdurchschnitt lag der Rohölpreis mit etwa 80 US-Dollar pro Barrel um fast 20 Dollar über dem Niveau des Vorjahres.

Währungen: Euro im Bann der europäischen Finanzkrise

Im Jahresdurchschnitt hat der Euro gegenüber dem US-Dollar – verglichen mit dem Vorjahr – leicht an Wert verloren. Im Jahresverlauf ergaben sich jedoch größere Schwankungen: Zu Jahresbeginn tendierte der Euro mit unter 1,30 US-Dollar schwächer. Zur Mitte des Jahres stieg der Euro deutlich auf über 1,40 US-Dollar und lag am Jahresende wieder tiefer bei 1,34 US-Dollar. Dieser Verlauf hat seine Ursachen unter anderem in der Finanzkrise in Europa sowie in der expansiven Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank.

Die Entwicklung anderer wichtiger Währungen gegenüber dem Euro stellt nachfolgende Tabelle dar:

Durchschnittskurse gegenüber dem Euro
 

2009

2010

US-Dollar

1,39

1,33

Britisches Pfund

0,89

0,86

Chinesischer Yuan

9,53

8,98

Japanischer Yen

130,33

116,38

Russischer Rubel

44,15

40,26

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Inflation: Das weltweite Preisklima blieb ruhig

Der Anstieg der Inflation von knapp 2 auf 3 Prozent ist in erster Linie auf eine starke Erhöhung der Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die um solche Effekte bereinigte Kerninflationsrate hat sich kaum verändert. Die Entwicklung war allerdings regional recht unterschiedlich. Während die Inflation in den Industrieländern ausgesprochen niedrig blieb – in den USA und in Westeuropa zog sie nur wenig an und in Japan waren die Preise sogar rückläufig –, nahm sie in einigen Wachstumsländern wie in Indien oder China wieder zu. Hierfür waren sowohl die starke Nachfragedynamik als auch die große Bedeutung von Rohstoffen und Nahrungsmitteln verantwortlich.

Arbeitslosigkeit: Leichter Anstieg auf weltweit 8 Prozent

Die Arbeitslosigkeit hat in den Industrieregionen leicht auf 8 Prozent zugenommen. In den USA und Frankreich wurden Werte von 10 Prozent erreicht. In Südeuropa liegen einige Länder zum Teil noch deutlich darüber. In Deutschland erwies sich der Arbeitsmarkt hingegen als sehr robust, sodass die Arbeitslosenquote um fast einen halben Prozentpunkt auf 7,4 Prozent zurückging. In den Wachstumsregionen blieben die Arbeitslosenquoten mit etwa 8 Prozent stabil.

Branchenentwicklung: Konsum und Einzelhandel mit leichtem Anstieg

Das Verbrauchervertrauen hat sich mit dem konjunkturellen Aufschwung aufgehellt. Die Konsumenten gaben im Berichtsjahr gut 2,5 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz und vorhandene Zweifel an der Dauer des Aufschwungs standen einem stärkeren Zuwachs der weltweiten Konsumausgaben entgegen.

Der Anstieg der Konsumausgaben – und daran gekoppelt die Entwicklung des Einzelhandels – war in den Industrieländern mit 1,5 Prozent verhalten. In Westeuropa lag das Plus bei einem Prozent, in den USA bei 1,5 Prozent. Der Konsum in Deutschland nahm trotz des kräftigen gesamtwirtschaftlichen Wachstums mit 0,5 Prozent nur geringfügig zu. In den Wachstumsregionen expandierte der private Konsum mit knapp 5 Prozent deutlich stärker, blieb aber auch hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zurück.

Industrie mit starker Belebung

Nach dem Krisenjahr 2009 stand 2010 im Zeichen einer starken industriellen Belebung. Wenngleich in einigen Branchen und Ländern das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht wurde, so zeigt doch das Wachstum von mehr als 10 Prozent die hohe industrielle Dynamik. Besonders stark war der Anstieg in exportabhängigen Branchen des Vorleistungs- und Investitionsgütersektors, die überdurchschnittlich unter der Krise gelitten hatten. Dazu gehören unter anderem die Transportbranche, die Metallindustrie sowie die Elektronikbranche.

Alle Regionen verzeichneten einen kräftigen Anstieg der Industrieproduktion. Das Verarbeitende Gewerbe in Westeuropa und in den USA expandierte mit etwa 6 Prozent. Asiens Industrie legte um mehr als 15 Prozent zu. Dazu trug – neben den Wachstumsländern China und Südkorea – auch die japanische Industrie bei, die damit einen Teil des rezessionsbedingten Rückgangs wettmachen konnte.

Die für Henkel wichtigen Abnehmerbranchen Transportindustrie und Elektronik konnten ihre Produktion mit 18 beziehungsweise 14 Prozent merklich ausweiten. In der Automobilindustrie legten die leistungsstarken Kraftfahrzeuge überproportional zu, während die kleinmotorigen Kraftwagen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte – nachdem die Abwrack- und ähnliche Förderprogramme ausgelaufen waren – an Fahrt verloren. Innerhalb der Elektronikbranche war das Wachstum bei den Basisprodukten wie Halbleitern und Halbleiterplatten überproportional, besonders im ersten Halbjahr 2010.

Kräftig war auch das Wachstum in der Metallindustrie, das um etwa 11 Prozent ausgeweitet wurde. Mit der Festigung des Aufschwungs und steigenden Investitionen verbesserte sich auch die Lage im Maschinenbau deutlich. Um mehr als 16 Prozent nahm die Produktion hier zu.

In den konsumnahen Sparten war das Wachstum verhalten. Die globale Verpackungsindustrie mit den Branchen Nahrungsmittel, Getränke sowie Papier und Druck wuchs im unteren einstelligen Bereich.

Unter den Erwartungen blieb die Entwicklung im Baugewerbe. Weltweit ging die Bauindustrie um fast 2 Prozent zurück. In den USA kam es zu einem Produktionsrückgang von mehr als 10 Prozent. Rückgänge in einer Größenordung von 4 bis 6 Prozent gab es in Westeuropa und Japan. Dank der weiterhin regen Bautätigkeit in den Wachstumsregionen – und hier insbesondere in China und Indien – konnte weltweit der Rückgang in Grenzen gehalten werden.