Darstellung der wesentlichen Einzelrisiken

Umfeld- und Branchenrisiken: Trotz der wirtschaftlichen Erholung sind wir weiterhin Umfeldrisiken ausgesetzt. Insbesondere das Umfeld im Industriebereich birgt Risiken und könnte zu Rückgängen im Absatzvolumen führen. Im Konsumgüterbereich besteht das Risiko, dass sich das Marktwachstum abschwächen könnte, in Verbindung mit einem intensivierten Wettbewerb. Wir beobachten hier eine weiter fortschreitende Konsolidierung im Handel, einen daraus resultierenden Druck auf Preise sowie Konditionen bei Eigenmarken des Handels. Unser Fokus liegt daher auf einer kontinuierlichen Stärkung des Werts unserer Marken und der konsequenten Entwicklung von Innovationen, da wir innovative Produkte als wesentlichen Erfolgsfaktor unseres Unternehmens erachten, mit dem wir uns von Wettbewerbern abgrenzen.

Beschaffungsmarktrisiken: Auf unseren Beschaffungsmärkten erwarten wir weiter steigende Preise bei wichtigen Rohstoffen und Verpackungsmaterialien. Diese Preisanstiege werden durch den Trend höherer Vorrohstoffpreise im Rahmen der anziehenden Weltwirtschaft und durch zunehmend auftretende Lieferengpässe verursacht. Preis- und Lieferrisiken wirken wir durch ein umfassendes Risikomanagement entgegen. Es beinhaltet eine proaktive Steuerung unseres Lieferantenportfolios durch unser global operierendes, bereichsübergreifendes Einkaufsmanagement und den Einsatz von Strategien zur Preis- und Volumenabsicherung sowohl über Verträge als auch – wo sinnvoll und möglich – mithilfe von finanziellen Sicherungsinstrumenten. Weiterhin arbeiten wir in interdisziplinären Teams (Forschung und Entwicklung, Supply Chain Management und Einkauf) an alternativen Rezepturen und Verpackungen, um auf unvorhergesehene Schwankungen bei Rohstoffpreisen flexibel reagieren zu können. Zudem achten wir darauf, nicht von einzelnen Lieferanten abhängig zu werden, um so die von uns benötigten Güter und Dienstleistungen jederzeit beschaffen zu können. Eine außerordentlich wichtige Rolle in unserem Risikomanagement nimmt schließlich die enge Zusammenarbeit mit unseren strategischen Lieferanten ein. Auf die Risikobewertung von Lieferanten im Hinblick auf ihre finanzielle Stabilität gehen wir im Kapitel „Beschaffung“ näher ein. Die Basis für ein erfolgreiches Risikomanagement liefert ein umfassendes Einkaufsinformationssystem. Es stellt die permanente Transparenz über unser Einkaufsvolumen sicher.

Produktionsrisiken: Risiken im Produktionsbereich bestehen für Henkel in der Gefahr von zu niedriger Kapazitätsauslastung aufgrund von Volumenrückgängen und in eventuellen Betriebsunterbrechungen, insbesondere bei sogenannten Single-Source-Standorten. Nachteilige Auswirkungen möglicher Produktionsausfälle lassen sich durch flexible Produktionssteuerung auffangen und durch Versicherungsverträge wirtschaftlich sinnvoll absichern. Hohe Mitarbeiterqualifikation, klar definierte Sicherheitsstandards und die regelmäßige Wartung der Anlagen minimieren solche Produktionsrisiken. Entscheidungen über Investitionen in Sachanlagen richten sich nach festgelegten und differenzierten Zuständigkeitsregelungen und Genehmigungsprozessen. Sie beziehen alle relevanten Fachgebiete ein und sind in einer internen Richtlinie geregelt. Dabei analysieren wir Investitionen im Vorfeld detailliert auf Risikoaspekte. Projektbegleitende Prüfungen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Projektsteuerung und eine wirksame Risikoreduzierung.

Informationstechnische Risiken: Risiken im IT-Bereich sehen wir vor allem durch potenzielle unautorisierte Zugriffe und Datenverluste. Um diese abzuwenden, werden adäquate Genehmigungsprozesse, Zugriffsprofile und Technologien eingesetzt. Für alle kritischen Datenbestände werden täglich Datensicherungen erstellt, die an einen anderen Standort ausgelagert sind; außerdem führen wir regelmäßig sogenannte Restore-Tests durch. Die im Jahr 2010 aufgetretenen externen Angriffe – zum Beispiel durch Viren, Hacker oder Spam-Mails – haben zu keinen Störungen in den Geschäftsprozessen geführt, da sie durch die implementierten Sicherheitsmaßnahmen erfolgreich abgewehrt wurden. Henkel verfügt darüber hinaus über eine weltweit verbindliche interne IT-Richtlinie, zu deren Einhaltung auch externe Dienstleister verpflichtet sind. Wesentliche Bestandteile sind Maßnahmen zur Risikovermeidung, Darstellung von Eskalationsprozessen und Beschreibung von Best-Practice-Technologien. Die korrekte Umsetzung überprüft unsere weltweit tätige Interne Revision fortlaufend. Zusätzlich lassen wir unsere Schutzmaßnahmen durch externe Spezialisten bezüglich Effektivität und Effizienz begutachten.

Personalrisiken: Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung von Henkel wird wesentlich vom Engagement und von der Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeiter getragen. Dem stärker werdenden Wettbewerb um hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte begegnen wir durch enge Kontakte zu ausgewählten Universitäten und durch spezielle Rekrutierungsprogramme. Unsere neue „Employer Branding“-Kampagne positioniert uns noch stärker als Wunsch-Arbeitgeber. Mit gezielter Mitarbeiterförderung wirken wir dem Risiko entgegen, wertvolle Mitarbeiter nicht langfristig an uns binden zu können. Die Grundlage dieser Förderung bilden eine regelmäßige Potenzial- und Leistungsanalyse und darauf aufbauend attraktive Qualifizierungsmöglichkeiten und leistungsbezogene Vergütungssysteme. Weitergehende Informationen zu unseren Mitarbeitern finden Sie im gleichnamigen Kapitel.

Finanzwirtschaftliche Risiken: Wir begegnen dem Forderungsausfallrisiko im Rahmen unserer Global Credit Policy durch standardisierte Vorgehensweisen, ein proaktives Forderungsmanagement sowie durch den Einsatz von Kreditversicherungen und Garantien. Neben einem detaillierten lokalen Monitoring überwachen wir unsere wichtigsten Kundenbeziehungen auch auf globaler Ebene. Ausfallrisiken entstehen auch aus finanziellen Investments, zum Beispiel Bankguthaben und dem positiven Marktwert aus Derivaten. Solche Risiken werden von unseren Experten im Bereich Corporate Treasury durch die Auswahl bonitätsstarker Banken (mindestens A-Rating) und eine Limitierung der Anlagebeträge begrenzt. Darüber hinaus diversifizieren wir unsere finanziellen Investments breit sowohl auf unterschiedliche Kontrahenten als auch auf verschiedene Finanzanlagen. Weitergehende Informationen zum Ausfallrisiko finden Sie im Konzernanhang unter Textziffer 31.

Risiken aus Pensionsverpflichtungen
resultieren aus der Veränderung von Zinsen, Inflationsraten, Gehaltstrends und der Veränderung der statistischen Lebenserwartung der Pensionsberechtigten. Zur Risikominderung und besseren Risikosteuerung sind deshalb die Pensionsverpflichtungen in den wichtigsten Ländern ausfinanziert und werden mit einem zweigeteilten Portfolioansatz gesteuert: Der Hauptteil des Portfolios wird in Vermögenswerte mit gleicher Laufzeitstruktur und ähnlichen Zins- und Inflationssensitivitäten wie die Pensionsverpflichtungen investiert (Liability-Driven Investments), um das Zins- und Inflationsrisiko zu reduzieren. Um die Risiken aus Gehaltstrends und Langlebigkeit abzudecken und die Deckungslücke zwischen Pensionsvermögen und Pensionsverpflichtungen langfristig zu schließen, investieren wir als Beimischung in ein Return-Enhancing-Portfolio, das Anlageklassen wie Aktien, Private Equity, Hedgefonds, Immobilien und Rohstoffinvestments enthält.

Das Pensionsvermögen kann bei negativer Entwicklung der Kapitalmärkte belastet werden. Diesem Risiko tragen wir durch eine breite Diversifizierung der Anlageklassen und der Instrumente innerhalb der Anlageklassen Rechnung. Die in den Pensionsvermögen bestehenden Risiken werden fortlaufend überwacht und unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten gesteuert. Zur Quantifizierung von Risiken werden Sensitivitätsanalysen durchgeführt. Wesentliche Pensionsvermögen werden in Deutschland, den USA, Großbritannien, Irland und den Niederlanden von externen Vermögensverwaltern betreut. Alle diese Länder verfolgen die oben genannte einheitliche Investitionsstrategie und werden zentral überwacht. Die zur Deckung der Pensionsverpflichtungen bestimmten Mittel legen wir auf Basis einer sogenannten Asset-Liability-Studie an, die auf den jeweiligen erwarteten Zahlungsströmen der länderspezifischen Pensionsverpflichtungen basiert. Weitere Angaben zur Entwicklung der Pensionsverpflichtungen stehen im Konzernanhang Textziffer 17.

Aus der globalen Ausrichtung unserer Geschäfte resultieren zwei Arten von Währungsrisiken. Das Transaktionsrisiko entsteht durch mögliche Wertänderungen zukünftiger Fremdwährungszahlungen aufgrund von Wechselkursschwankungen. Transaktionsrisiken aus dem operativen Geschäft werden teilweise dadurch reduziert, dass wir unsere Produkte in den Ländern produzieren, in denen wir sie verkaufen. Verbleibende Transaktionsrisiken aus dem operativen Geschäft steuern wir aktiv durch unsere Einheit Corporate Treasury. Wir beurteilen das spezifische Währungsrisiko und entwickeln eine Sicherungsstrategie. Da wir potenzielle Verluste limitieren, sind negative Auswirkungen auf das Ergebnis begrenzt. Das Transaktionsrisiko aus großen Finanzforderungen und -verbindlichkeiten wird weitgehend zu 100 Prozent gesichert. Zur Steuerung der Risiken setzen wir hauptsächlich Devisentermingeschäfte und Währungsswaps ein. Das Translationsrisiko beschreibt das Risiko einer Veränderung der Bilanz- sowie der Gewinn- und Verlust-Positionen einer Tochtergesellschaft aufgrund von Währungskursveränderungen bei der Umrechnung der lokalen Einzelabschlüsse in die Konzernwährung. Die Risiken aus der Umrechnung von Ergebnissen der Tochtergesellschaften in Fremdwährungen und aus Nettoinvestitionen in ausländische Gesellschaften (Hedge of a Net Investment in a Foreign Entity) werden nur in Ausnahmefällen gesichert.

Das Zinsrisiko umfasst jeglichen potenziell positiven oder negativen Einfluss von Veränderungen der Zinsen auf das Ergebnis, das Eigenkapital oder den Cashflow der aktuellen und zukünftigen Berichtsperioden. Der Einsatz zinstragender Finanzinstrumente mit dem Ziel, das Zinsergebnis des Henkel-Konzerns zu optimieren, ist ein Bestandteil unserer Finanzpolitik. Die Fristigkeitsstruktur steuern wir durch die Wahl der Zinsbindungsfristen bei den originären liquiditätswirksamen Finanzaktiva und -passiva sowie durch den Einsatz von Zinsderivaten. Die Verzinsung der beiden durch Henkel begebenen, in Euro denominierten Anleihen haben wir mithilfe von Zinsswaps von Festzins in variable Zinsen gewandelt. Da Anleihen und Zinsswaps in einem dokumentierten Sicherungszusammenhang stehen, neutralisieren sich die Bewertung der Anleihen und die Bewertung der Zinsswaps (Fair Value Hedge Accounting). Einen Großteil der Finanzierung der Henkel of America, Inc. in US-Dollar haben wir durch Zinsswaps in fixe Zinsen gewandelt. Beim Einsatz von Zinsswaps zur Fixierung eines Zinssatzes werden die Ergebnisse des Zinsswaps im Eigenkapital abgegrenzt (Cashflow Hedge Accounting). In Abhängigkeit von der Zinserwartung schützt sich Henkel durch den Abschluss zusätzlicher sogenannter Zinscaps und Forward Rate Agreements vor kurzfristig steigenden Zinsen. Dadurch besteht die Nettozinsposition aus einer gemischt fixen und variablen Verzinsungsstruktur.

Das Liquiditätsrisiko ist definiert als Risiko, dass die Gesellschaft ihren finanziellen Verpflichtungen nicht jederzeit nachkommen kann. Diesem Risiko begegnen wir dadurch, dass wir langfristige Finanzinstrumente einsetzen und über zusätzliche Liquiditätsreserven in Form von fest zugesagten Kreditlinien verfügen. Die Steuerung der Währungs-, Zins- und Liquiditätsrisiken basiert auf der vom Vorstand verabschiedeten, konzernweit gültigen Treasury-Richtlinie. Darin werden die Ziele, Prinzipien, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen von Corporate Treasury definiert. Sie beschreibt die Verantwortungsbereiche und legt deren Verteilung auf die Corporate-Treasury-Abteilung und die Tochtergesellschaften fest. Der Vorstand wird über alle wesentlichen Risiken und über die bestehenden Sicherungsgeschäfte regelmäßig umfassend informiert.

Zusätzliche Informationen zum Risikomanagement in Bezug auf Finanzinstrumente finden sich im  Konzernanhang unter Textziffer 31.

Rechtliche Risiken: Als weltweit tätiges Unternehmen unterliegen wir im Rahmen unserer gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einer Reihe von Risiken im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten und anderen, auch behördlichen Verfahren, an denen wir zurzeit beteiligt sind oder in Zukunft beteiligt sein könnten. Hierzu zählen insbesondere Risiken aus den Bereichen Produkthaftung, Produktfehler, Wettbewerbs- und Kartellrecht, Schutzrechtsverletzungen, Patentrecht, Steuerrecht sowie Umweltschutz beziehungsweise Altlasten. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in einigen dieser Verfahren für uns negative Entscheidungen ergehen.

Rechtlichen Risiken begegnen wir durch entsprechende verbindliche Leitlinien, Verhaltensanweisungen und Schulungsmaßnahmen. Durch den ständigen Kontakt der zentralen Rechtsabteilung mit lokalen Anwälten sowie durch unser gesondertes Berichterstattungssystem erfassen wir laufende Verfahren und potenzielle Risiken. Für bestimmte rechtliche Risiken haben wir branchenübliche Versicherungen abgeschlossen, die wir als angemessen ansehen. Für Rechtsstreitigkeiten bilden wir Rückstellungen, sofern es nach unserer Einschätzung wahrscheinlich ist, dass entsprechende, nicht oder nicht vollständig durch Versicherungen abgedeckte Verpflichtungen entstehen und eine adäquate Schadensschätzung möglich ist. Eine Prognose von Verfahrensergebnissen ist jedoch vor allem in solchen Fällen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, in denen die Anspruchsteller substanzielle oder unbestimmte Schadensersatzansprüche geltend machen. Im Hinblick darauf können wir keine Vorhersage darüber treffen, welche Verpflichtungen sich aus einem solchen Verfahren eventuell ergeben könnten. Daher können aus Rechtsstreitigkeiten und Verfahren auch eventuell wesentliche Verluste entstehen, die nicht durch unseren Versicherungsschutz oder durch Rückstellungen abgedeckt sind.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erwarten wir aus Rechtsstreitigkeiten und Verfahren keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Henkel.

Unternehmensstrategische Risiken
können daraus resultieren, dass möglicherweise die Erwartungen, die wir in interne Projekte sowie in Akquisitionen und strategische Kooperationen gesetzt haben, nicht erfüllt werden. Die damit erfolgten Investitionen können sich möglicherweise nicht amortisieren. Des Weiteren können sich einzelne Projekte durch nicht vorhersehbare Risiken verzögern.

Mit unserer Strategie, weltweit Prozesse zu vereinheitlichen und Produktionsstätten zu konzentrieren, können zum Beispiel Belastungen für die Beziehungen zu Mitarbeitern und Zulieferern entstehen. Weiterhin müssen im Lauf einer Integration von erworbenen Unternehmen logistische Abläufe harmonisiert werden. Mit frühzeitigen Risikoanalysen durch erfahrene Facheinheiten, gegebenenfalls unterstützt durch externe Berater, begrenzen wir solche Risiken.